Deutschland ist eine „allergologische Bananenrepublik“

06.02.2015 Berlin (pag) – Ärzte und Wissenschaftler des Aktionsforums Allergologie haben vor einer dramatisch zunehmenden Unter- und Fehlversorgung von Allergiepatienten gewarnt. „Wir leben in einer allergologischen Bananenrepublik“, sagt PD Dr. Kirsten Jung, Präsid

Berlin (pag) – Ärzte und Wissenschaftler des Aktionsforums Allergologie haben vor einer dramatisch zunehmenden Unter- und Fehlversorgung von Allergiepatienten gewarnt. „Wir leben in einer allergologischen Bananenrepublik“, sagt PD Dr. Kirsten Jung, Präsidentin des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen.

Auf der Pressekonferenz des Forums beschreibt Prof. Harald Renz, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, die aktuelle Versorgungssituation. Er spricht von einer Schere, die immer weiter auseinander gehe. Zum einen wachse die Zahl der Betroffenen – 15 Millionen Patienten leiden Renz zufolge hierzulande an Allergien –, zum anderen verschlechtere sich kontinuierlich deren Versorgung. Die Wissenschaft mache Fortschritte, neue Therapien würden zur Verfügung stehen, aber: „Die neuen Erkenntnisse kommen insbesondere in Deutschland nicht beim Patienten an.“ Der Experte verweist darauf, dass beispielsweise nur jeder 25. Asthmatiker eine spezifische Immuntherapie erhalte, bei Heuschnupfen-Patienten ist es jeder 15. Das hat eine Studie des Gesundheitsökonomen Prof. Jürgen Wasem ergeben.

Bei Behandlungen mit neuen Biologika blickt Renz pessimistisch in die Zukunft: „Wie soll das System diese Fortschritte bewältigen?“ Ein weiteres Versorgungsproblem besteht darin, dass die Zahl der Praxen, die allergologische Leistungen erbringen, abnimmt. Renz beziffert den Rückgang auf rund ein Drittel.

Die Forderungen des Aktionsforums: Ein umfassendes Versorgungskonzept soll die Situation verbessern, als Vorbild werden sowohl Finnland genannt als auch aktuelle Initiativen bei Diabetes hierzulande. Außerdem macht sich das Bündnis für ein systematisch aufgestelltes Zentrum für die Allergie-Forschung in Deutschland stark. Allergologie sollte ferner verbindlich in der ärztlichen Ausbildung verankert werden. Ganz grundsätzlich wehrt sich das Aktionsforum gegen eine hierzulande übliche Bagatellisierung von Allergien. Es handele sich um keine Lifestyle-Erkrankung, Allergien könnten tödlich sein. „Unterversorgung, Benachteiligung und sogar Diskriminierung von Allergiepatienten sind an der Tagesordnung“, so die Erfurter Allergologin Kirsten Jung abschließend.

Quelle: Presseagentur Gesundheit Feb 5, 2015

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