Feuer unterm Topf Asthma Artikel aus dem Spiegel

02.08.2015 Neue Medikamente helfen bei schwerem Asthma, das bislang kaum behandelbar war. Die Mittel greifen zielgerichtet ins Immunsystem ein.

Feuer unterm Topf Asthma Artikel aus dem Spiegel

Neue Medikamente helfen bei schwerem Asthma, das bislang kaum behandelbar war. Die Mittel greifen zielgerichtet ins Immunsystem ein.

Ich habe alles versucht, erzählt Brigitte Rosenberger. Seit mehr als 30 Jahren leidet die 70-jährige aus der Nähe von Aschaffenburg nun schon an Asthma bronchiale. Wenn ich ruhig auf einem Stuhl saß bekam ich noch ganz gut Luft aber bei der ganzen Anstrengung kam die Atemnot. Doch jetzt geht es ihr erstaunlich gut. Tief gebräunt von der Sommersonne wartet Rosenberger in der neurologischen Abteilung der Universitätsmedizin Mainz auf ihre nächste 4-Wochen Spritze. Sie kann wieder mit dem Hund spazieren gehen und im Garten Unkraut jäten.

Die Linderung ihrer Beschwerden verdankt sie einem neuartigen Medikament, das sie im Rahmen einer klinischen Studie verabreicht bekommt. So gut wird das Experimentalmittel, das der Beratungsausschuss der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA soeben die Zulassung in den USA empfohlen hat. In Deutschland kommt es voraussichtlich in dem kommenden Jahr auf dem Markt. Der Wirkstoff Mepozilomap gehört zu einer neuen Klasse von Designermolekülen, die direkt auf jene menschlichen Immunzellen wirken, die bei Asthma aus dem Ruder laufen. Das unterscheidet die sogenannten Biologika von den konventionellen Medikamenten wie Cortison die unspezifisch gegen die Symptome der Krankheit helfen und oft schwere Nebenwirkungen haben. Allerdings Sie maßgeschneiderten Biologika teurer. Die Behandlung kostet mehrere 10.000 EUR im Jahr. Aufatmen können womöglich vor allem jene rund 5 % der Asthmakranken, die unter einer besonders schweren Form leiden. Patienten wie sie sieht Prof. Roland Buhl fast täglich gegenübersitzen. Der Pneumologe leitet in Mainz eine Ambulanz für schweres Asthma. Wer verstehen möchte was schweres Asthma bedeutet, den empfiehlt Buhl sich die Nase zu zuhalten und nur noch durch einen Strohhalm zu atmen und dann die Treppen hoch zu steigen. Genauso fühlen sich meine Patienten ständig. Viele mussten ihren Beruf aufgeben. Der neuartige Wirkstoff etwa bindet den Botenstoff Interleukin-5, welche die Aktivierung bestimmter bei Asthma stark vermehrte Immunzellen bewirkt. Wird Interleukin-5 gehemmt, so die Idee, wird auch die überschießende Immunreaktion gedrosselt.

Zudem scheint der Eingriff in das Immunsystem bisher keine gravierende Nebenwirkung zu zeigen. Schon länger verwenden Lungen Fachärzte weitere Antikörper, der das von Abwehrzellen produzierte Immunglobulin E blockiert.

Viele Patienten bekommen den Antikörper auch nach Abschluss einer klinischen Studie, oder aber sie bekommen ein ähnliches Präparat in die klinische Studie länger genug dauert und schon Verwandte Medikamente auf dem Markt sind.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Spiegel Magazin 30/2015 Seite 103

Alle Artikel